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Nach der Flucht und vor den Beamten
Refugee Law Clinic

Entstanden sind Refugee Law Clinics, um ihren Mandanten nach der oft schrecklichen Flucht zu helfen, einen Aufenthaltstitel in Deutschland zu bekommen. In Trier wie in anderen Universitätsstädten in Deutschland helfen Jurastudenten Flüchtlingen durch die Wirren des Asylrechts. Häufig ist für Flüchtlinge das Gespräch vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ein schicksalhaftes.

Refugee Law Clinic Trier berät Flüchtlinge

Martin Weiler (28 Jahre) sitzt in seinem Büro im Gebäude C der Universität Trier und spricht über Anhörungen vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Weilers Büro ist schmal, aber lang. Ähnlich könnte auch die Beschreibung für die Refugee Law Clinic (RLC) Trier ausfallen. Mit einem schmalen Budget versuchen Trierer Studenten, eine studentische Rechtsberatung für Flüchtlinge auf die Beine zu stellen. Hilfesuchende auf dem langen Weg durch das Rechtssystem hin zu einem Aufenthaltstitel zu begleiten, ist Ziel des gemeinnützigen Vereins.

Startschuss mit 24 Gründungsmitgliedern

[aesop_image img=“http://dertrierer.net/wp-content/uploads/2016/06/rlc1.jpg“ credit=“© Der Trierer“ alt=“Refugee Law Clinic“ align=“center“ lightbox=“on“ caption=“Jana Schollmeier (re.) und Martin Weiler bieten eine rechtliche Beratung für Geflüchtete in Trier an. Gemeinsam mit 22 weiteren Studenten haben sie die Refugee Law Clinic Trier gegründet. Foto: Der Trierer“ captionposition=“left“]

Sie seien 24 Mitglieder gewesen, die im Dezember 2014 den Verein gegründet hätten, erklärt Jana Schollmeier (25 Jahre). Wie Weiler gehört auch Schollmeier zu den Gründungsmitgliedern der Trierer Refugee Law Clinic. Es sei die Zeit gewesen, als Zeitungen, Nachrichtenmagazine und TV-Sendungen begonnen hätten, sich für die Schicksale der Menschen intensiver zu interessieren, die viele Gefahren auf sich nehmen, um nach Europa zu kommen, sagt Schollmeier rückblickend. Für die Vereinsmitglieder war es der Startschuss, sich für die geflüchteten Menschen zu engagieren und die studentische Rechtsberatung aufzubauen.

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Um den Geflüchteten helfen zu können, mussten einige Hürden genommen werden. Die meisten Aufgaben hätten sie im zurückliegenden Jahr erledigen können, erklären die beiden RLC-Mitglieder. Zunächst hatte es Vorlesungen gegeben, dann kamen Hospitationen hinzu und anschließend standen schriftliche Prüfungen auf dem Programm. Auf diese Weise wurden die künftigen Rechtsberater auf ihre neuen Aufgaben vorbereitet. Die Qualität der Beratung sei ihnen sehr wichtig, sagt Schollmeier. „Man muss sich nur mal vorstellen, was für Auswirkungen unsere Arbeit haben kann. Im schlimmsten Fall müssen Menschen wieder in das Land zurück, aus dem sie wegen Verfolgung oder Vertreibung geflohen sind. Und dies, weil wir diese Menschen nicht richtig oder unzureichend beraten haben.“

Rechtsberatung ab Sommer

Bis spätestens zum Sommer soll die Rechtsberatung anlaufen. Insgesamt habe man 24 Berater ausgebildet. Damit sei die wichtigste Aufgabe der RLC in die Tat umgesetzt, erklärt Schollmeier. Die 25-Jährige sagt, dass der Bedarf an Rechtsbeistand hoch sei. Für die Flüchtlinge sei das Gespräch mit dem Bamf sehr wichtig. Deshalb ziele die Arbeit der RLC darauf ab, den Ablauf dieses Gesprächs entsprechend vorzubereiten. Neben den rein formaljuristischen Dingen würden dabei interkulturelle Unterschiede thematisiert. Viele Flüchtlinge hätten in ihren Herkunftsländern im Umgang mit Behörden negative Erfahrungen gemacht, außerdem gebe es Unterschiede in der Rollenverteilung. „Es gibt Männer, die waren noch nie mit einer Frau alleine in einem Raum, um mit ihr zu sprechen, und hier in Deutschland müssen sie dies tun“, erklärt Schollmeier an einem Beispiel.
Die RLC Trier steht in Kontakt mit anderen Einrichtungen, die in der Flüchtlingshilfe aktiv sind. Sie seien Ansprechpartner und würden sich mit dem BAMF austauschen, um die Arbeit und die Abläufe zu optimieren, erklärt Jana Schollmeier. Es sei sehr wichtig, sagt Martin Weiler, die Probleme und Herausforderungen aufseiten der Behörden zu kennen, man pflege eine konstruktive Zusammenarbeit.

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Für all diese Aufgaben werden Menschen gebraucht, die sich engagieren möchten. Jeder könne an den Vorlesungen oder Hospitationen teilnehmen, allerdings sei eine gewisse Vorbildung in der rechtlichen Fallbearbeitung von Vorteil, sagen die beiden Gründungsmitglieder. Kenntnisse im Asyl- oder Ausländerrecht seien nicht zwingend erforderlich.

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Fertige Beraterverträge

Im Verein sind sie stolz darauf, dass sich bisher so viele Mitstreiter in ihrer Freizeit in den vergangenen anderthalb Jahren intensiv in die Thematik eingearbeitet haben und die Beratung bald starten könne. „Wenn wir den Mietvertrag unterschrieben haben, können wir endlich loslegen“, sagt Weiler. Er wirkt immer noch ein wenig skeptisch, obwohl es nach eigenem Bekunden kaum Grund dazu gibt. „Aber als Jurist denkt man so. So lange nichts unterschrieben ist, ist auch noch nichts sicher.“
Unterschriftsreif sind die Beraterverträge, damit die Arbeit mit den Flüchtlingen auch rechtlich abgesichert ist. Diese Verträge auszuarbeiten, war eine von vielen administrativen Aufgaben, um die sich der Verein im Vorfeld der eigentlichen Tätigkeit gekümmert hat. Natürlich gäbe es an allen Ecken und Enden noch Bedarf, sagt Schollmeier. Vor allem würden Dolmetscher fehlen, die ehrenamtlich arbeiteten. Aber auch Spenden seien immer willkommen, genauso wie neue Vereinsmitglieder. Aktuell zähle der Verein knapp 150 Mitglieder.

[aesop_audio title=“Martin Weiler über die Aufgaben“ src=“http://dertrierer.net/wp-content/uploads/2016/06/Rlc1.wav“ loop=“off“ viewstart=“on“ viewend=“on“ hidden=“off“]
Die Refugee Law Clinic will angesichts der anstehenden Aufgaben weiter wachsen, sagt Schollmeier, und nicht nur sie freue sich über jedwede Unterstützung. Zunächst wollen die ehrenamtlichen Berater aber mit der eigentlichen Arbeit beginnen.

Webseite des Vereins RLC-Trier

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