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Der Stahlarbeiter Andreas Hamacher

Aus Karton werden Metallskulpturen. Künstler Andreas Hamacher lebt und arbeitet in Trier. Sein Werkstoff ist Stahl. Den besorgt er sich auf dem Schrottplatz, weil der dort eine Geschichte habe. Er liebe es, den Stahl zu recyceln. Schweißen, flexen und backen gehören zum Prozess dazu. Die Ergebnisse werden ab Freitag, 17. Juni, im Kunstraum KM9 ausgestellt. Andreas Hamacher ist der erste Preisträger des „I AM Kunstpreises“ und seine Arbeiten werden bis zum 3. Juli mit einer Einzelausstellung gewürdigt.

Karton zu Stahl

Andreas Hamacher verformt Kartonrollen. Die sind von einer Küchenrolle übrig geblieben. Er schnippelt mit einer Schere daran herum, tackert offene Enden zusammen und bei dieser Arbeit hat Hamacher festgestellt, dass die Kartonrollen ähnliche Eigenschaften an den Tag legen wie Stahl, zumindest wenn man verformen will. Hamacher will. Er braucht die Kartonage für seine Entwürfe. Früher habe er Entwürfe gezeichnet, sagt er. Die Arbeit mit Karton sei aber besser.

Hamacher ist Stammgast auf dem Schrottplatz

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Auf dem Schrottplatz verbringt der Künstler Hamacher viel Zeit. Dort findet er sein Rohmaterial. Ein gutes Verhältnis zum Besitzer sei da wichtig. Er suche nach Rahmen und Trägern, sagt er. „Seit 25 Jahren arbeite ich mit Stahl.“ In der Ausstellung „Haptikons“ im Independent Art Museum (I AM) im KM9 sind einige seiner Werke aktuell und bis zum 3. Juli zu sehen. Mit seinen Arbeiten hat Hamacher den erstmals ausgelobten „I AM Kunstpreis 2016“ gewonnen.

I AM Kunstpreis

Es sei eine Herausforderung gewesen, die Exponate im I AM zu platzieren, sagt Laas Koehler. Der Gründer des KM9 und Erfinder des „I AM Kunstpreises“ erzählt von umgestalteten Räumen, viel weißer Farbe und dem nötigen Platz, dass die Exponate ihre Wirkung entfalten können. „Er ist ein konsequenter Künstler“, sagt Koehler über Hamacher. Diese Konsequenz, alles zu verändern, alles zu transformieren, sei ein Weg gewesen, den Koehler gerne mitgehen wollte. Manche Skulpturen haben keinen Platz gefunden. Sie seien einfach zu schwer gewesen, erklärt Hamacher. „Ich wollte nicht, dass die durch die Decke in den Keller krachen“, sagt er und lacht.

Tierarzt und Stahl

[aesop_image imgwidth=“90%“ img=“http://dertrierer.net/wp-content/uploads/2016/06/hamcher_4.jpg“ credit=“© Der Trierer“ alt=“Hamacher“ align=“center“ lightbox=“on“ captionposition=“center“]

 

Die Liebe zum Werkstoff Stahl hat er von seinem Vater. Der Vater habe als Tierarzt gearbeitet und sei viel unterwegs gewesen. Der junge Andreas Hamacher hat ihn häufig zu den Hausbesuchen begleitet. Oft hätten sie am Straßenrand gehalten und den Müll eingesammelt, häufig seien Teile von Ackermaschinen dabei gewesen. Daher komme wohl die Faszination für Stahl, sagt Hamacher. Von seinem Vater habe er sich auch viele handwerkliche Kniffe abgeschaut. Denn ein Künstler sei auch immer ein Handwerker.

Flexen und Scheißen im alten Milchof

Flexen lernte er vom Vater, schweißen in Ralingen, von Schweißermeister Wilhelm Bauer. Zunächst habe er in der heimischen Garage gearbeitet, die sei aber bald zu klein gewesen, dann kam ein Atelier im alten Stellwerk. Weil seine Arbeit viel Energie benötigt und die Sicherungen dies nicht immer ausgehalten haben, war auch hier bald Schluss. Jetzt habe er eine große Werkstatt im alten Milchhof, sagt Hamacher.

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Es sei immer wieder spannend, einen Prozess zu starten, sagt der gebürtige Trierer. Seine Arbeit sei nur möglich, weil der Stahl ihm „wohlgesonnen“ sei. „Das Endprodukt ist weniger wichtig als der Prozess des Tuns“, sagt Hamacher über seine Arbeit. Schmerzvoll habe er erfahren dürfen, dass ihm ein bimmelndes Weihnachtsglöckchen mitteile, wann ein Kunstwerk fertig sei. Es habe einige Anläufe benötigt, dies zu verstehen, sagt Hamacher.

Ausstellung ruß´n´rost

Früher habe er seine Kunst verschenkt. Jetzt, wo die Kinder aus dem Haus seien, betreibe er die Kunst intensiver. Mittlerweile mache sie drei Viertel seiner Zeit aus. Rund 20 Ausstellungen habe er pro Jahr, etwa in Berlin, Düsseldorf, Hamburg oder in Trier. Mit Bettina Reichert kooperiert er seit 2014 in der Ausstellungsreihe „ruß´n´rost“.

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Doppelausstellung im KM9 im Sommer

Für das im vergangenen Jahre eröffnete KM9 ist es die erste Ausstellung in dieser Art. „Kein Wunder“, sagt Laas Koehler, schließlich gäbe es den Kunstpreis auch erst seit einem Jahr. Angefangen habe er mit einem kurzfristigen Mietvertrag und dann habe er den Raum künstlerisch bespielt. Daraus entwickelte sich der heutige Kunstraum, erklärt Koehler.

„In zwei Monaten wird es hier ganz anders aussehen. Sommer im Kunstraum heißt die Doppelausstellung“, sagt Koehler und spricht über den Sand. Den will er nämlich auf dem Boden verteilen. Ein wenig Sommer müsse bei dem ganzen Regen einfach sein. Und natürlich werde der Preisträger 2017 für den „I AM Kunstpreis“ gesucht. Jeder, der sich als Künstler versteht, kann sich bewerben, eine Mappe einreichen oder einfach vorbei kommen und sich vorstellen. Bis Juli kann man die Arbeiten des diesjährigen Gewinners Andreas Hamacher sehen und anfassen, wie der Künstler extra anfügt. Denn Stahl könne alles sein, was man wolle.

Begleitendende Veranstaltungen zur Ausstellung Haptikons

[note]
Die Ausstellung Haptikons wird von zusätzlichen Terminen flankiert:

  • Samstag, 18. Juni, Collector’s Dinner (für geladene Gäste)
  • Sonntag, 19. Juni, Kunst & Kuchen, ab 15 Uhr
  • Freitag, 24. Juni, Rost-Art-Wurst, ab 19 Uhr (Hamacher kocht gerne, an diesem Abend wird er sich am Grill beweisen)
  • Samstag, 25. Juni, Künstlergespräch, ab 14 Uhr
  • Sonntag, 26. Juni, Kunst & Kuchen, ab 15 Uhr
  • Freitag, 1. Juli, Collector’s Dinner (für geladene Gäste)
  • Samstag, 2. Juli, Vorstellung I AM Kunstpreis 2017, ab 14 Uhr
  • Sonntag, 3. Juli, Finissage, ab 15 Uhr [/note]

Mehr zum KM9 gibt es auf Facebook: icon-facebook KM9

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