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Der NeroHero Komplex
NeroHero

Die Tanz-Performance NeroHero vor der Trierer Porta Nigra wurde am Mittwoch, 6. August, kurzfristig abgesagt. Die Berichterstattung im Vorfeld und das mangelnde Vertrauen durch die Politik hätten zur Absage geführt, sagte der verantwortliche Kulturdezernent Thomas Egger (SPD) in einem Pressegespräch. Am Dienstagabend hatten die Fraktionen von CDU und Grünen in einer gemeinsamen Pressemitteilung von einem „Rohrkrepierer“ gesprochen.

NeroHero im Vorverkauf

„Es fehlt der Arsch in der Hose“ Thomas Egger

Das Problem steht auf Seite 21. Hermann Lewen ist sich da sicher. Im Begleitprogramm zur Neroausstellung wird auf Seite 21 die Open-Air-Performance NeroHero beworben, gleich neben „Der Burner! Motivationstraining für ein selbstbewusstes Auftreten“. Lewen fragte sich angesichts einer solchen Platzierung, ob man in der Bewerbung nicht noch mehr für die Tanz-Performance machen müsste. Schließlich habe das Projekt NeroHero ein Budget von 377 000 Euro. Bisher sind für die Veranstaltungen am 5. und 6. August knapp 200 Karten verkauft worden. Er sei nur der Verkäufer, sagte Lewen und deshalb hätte er Alarm schlagen müssen. Es folgten Gespräche, in den Fraktionen, im Kulturausschuss.

CDU und Grüne und der Rohrkrepierer

Die Fraktionen von CDU und Bündnis90/Grüne schlugen am Dienstagabend Alarm. Dies nur ein paar Stunden bevor der zuständige Kulturdezernent Thomas Egger gemeinsam mit den Projektverantwortlichen Karl Sibelius als künstlerischer Kurator, Produktionsleiterin Waltraud Körver sowie Hermann Lewen in einem Pressegespräch über den Stand der Vorbereitungen berichten und einen Ausblick auf die zu erwartenden Produktionen geben wollten. In der Pressemitteilung der beiden Stadtratsfraktionen war von der Befürchtung zu lesen, dass NeroHero sich zum Rohrkrepierer entwickeln könnte. Fehlende Sponsorengelder, weniger Sitzplätze, mangelnde Kooperation und Koordination unter den beteiligten Akteuren sowie eine unzureichende Vermarktung bereiteten den Fraktionen Sorgen. Sie forderten den Kulturdezernenten Egger auf, Verantwortung zu übernehmen.

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Kulturdezernent Egger spricht von Fehlern, die im Vorfeld gemacht wurden und beklagt, wie das Projekt NeroHero unmöglich gemacht wurde.

Egger sagt NeroHero ab

Egger tat dies während des Pressegesprächs und sagte das gesamte Spektakel ab. Es hätte viel Unkenntnis über das Projekt gegeben, sagte Egger und die Berichterstattung im Vorfeld hätte es beinahe unmöglich gemacht, dass NeroHero ein Erfolg werden könne. „Es fehlt der Arsch in der Hose“, sagte Egger. Der schlechte Ruf und die fehlenden Sponsorengelder im Wert von 30 000 Euro seien zwei Gründe für die Absage. Der wichtigste Grund sei, dass es kein Vertrauen mehr in das Projekt seitens der Politik gegeben habe.

Sibelius tritt als Kurator zurück

Konsequenzen aus der gescheiterten Tanz-Performance NeroHero zog der Intendant des Trierer Theaters. Sibelius war Kurator von NeroHero und legte dieses Amt am Mittwoch nieder. Er teile zu 100 Prozent die Meinung von Egger, dass NeroHero aufgrund des mangelnden Vertrauens in dieser Form keine Chance auf Erfolg habe. Wie tief erschüttert das Vertrauen der leitenden Künstler gegenüber der Politik im Rathaus ist, lässt sich an den Worten von Waltraud Körver ablesen. Körver ist die Produktionsleiterin der Tanz-Perfomance und sie berichtete von internen Skizzen von Szenen, die kopiert und im Rathaus verteilt wurden. „Das waren interne Ideen aus einem Brainstorming und hätten niemals so in die Öffentlichkeit gelangen dürfen“, sagte Körver.

Unterschiedliche Signale

Nach einem Gespräch am vergangenen Freitag mit den kulturpolitischen Sprechern der Fraktionen sei man mit einem guten Gefühl nach Hause gegangen, sagte Egger. Er sei im Vorfeld bereit gewesen, alles abzusagen, nach dem Gespräch wollten die Verantwortlichen auf jeden Fall weitermachen, dies sei man auch den beteiligten Künstlern schuldig gewesen. Überrascht war Egger von der Position von Petra Kewes. Diese habe sich nach dem Treffen mit den kulturpolitischen Sprechern noch ganz anders angehört. In der Pressemeldung der beiden Fraktionen sagt Kewes, dass es fatal sei, wenn ein weiteres Großprojekt des Kulturdezernenten, welches die römischen Bauten bespiele, vom Scheitern akut bedroht sei.

SPD beklagt die Totengräber

Schwarz-Grün: Totengräber des Kulturfestivals. Sven Teuber

Markus Nöhl ist kulturpolitischer Sprecher der SPD in Trier. Nöhl findet es bedauerlich, dass Schwarz-Grün mit ihrem Vorbrechen den gemeinsamen Pfad der Beratung voreilig verlassen habe. Die SPD-Fraktion habe konstruktiv und kritisch auf die Information aus dem Kulturdezernat reagiert, dass es Probleme in der Vorbereitung zu NeroHero gegeben habe. „Mit der Absage der Tanz-Performance ‚NeroHero‘ vergibt Trier die Chance, die künstlerische Nutzung der antiken Statten wiederzubeleben und eine enge Verbindung mit dem erfolgreichen Moselmusikfestival herzustellen“, sagte Nöhl und verwies darauf, dass der Grundgedanke richtig war und Trier die Zugkraft der Nero-Jahres hätte nutzen können.
SPD-Parteichef Sven Teuber beklagt die Umstände, wie die Performance nun abgesagt werden musste. Diese Umstände würden die Probleme in der Trierer Kulturpolitik verdeutlichen. Fehler in der Vorbereitung durch mangelnde Absprachen und Kommunikation seien zu beklagen. Statt die Antworten der gemeinsam formulierten Fragen abzuwarten, würde Öffentlichkeit gesucht und ein vorschnelles Ende eingefordert werden. „Mit diesem öffentlichen Vertrauensentzug wurde Schwarz-Grün zu den Totengräbern des Kulturfestivals. Man darf sich fragen, ob hier nur Kulturpolitik oder doch eher machtpolitische Interessen der ‚Verantwortungsgemeinschaft‘ im Vordergrund standen“, sagte Teuber und Kulturpolitiker Nöhl ergänzt: „Wir müssen befürchten, dass der kulturpolitische Image-Schaden nachhaltig ist.“
Ähnliche Gedanken macht sich auch Moselmusikfestival-Intendant Lewen. Die Absage von NeroHero könne sich auch negativ auf das Moselmusikfestival auswirken. Doch viel treibt ihn die Frage um, warum nicht mehr Werbung gemacht wurde. Schließlich sei Hochkultur im Sommer als Open-Air ein schwieriges Geschäft. Bis vor kurzem habe die crossmediale Vermarktung gefehlt. Selbst auf der Webseite der Nero-Ausstellung habe ein Link zur Seite von NeroHero gefehlt. Dieser Link wird vorläufig nicht mehr nötig sein.

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  • Dr. Who 6. April 2016, 21:19

    Unglaublich, was erlauben Köhler und Kewes. Die Antikenspiele stecken manchen noch tief in den Knochen. Aber deshalb gleich alles absagen, weiß net sieht nach guter Vorlage aus.