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Karikaturen im Schloss
Atena Farghadani

Eine internationale Karikaturen-Ausstellung wird derzeit im Rittersaal des Schlosses Vianden im luxemburgischen Vianden ausgestellt. Die Ausstellung läuft noch bis zum 29. Mai. Gezeigt werden Werke aus dem internationalen Wettbewerb für Karikaturen und Cartoons. Thema in diesem Jahr „My Home is my Castle“.

Karikaturen im Spiegel des Zeitgeistes

Aufgerufen zum „Internationalen Wettbewerb für Karikaturen und Cartoons“ – der neunte in Folge – hatte der Viandener Karrikaturist Florin Balaban und dessen Frau Sandra. Florin Balaban ist ein gefragter luxemburgischer Polit-Karikaturist und  gemeinsam mit seiner Ehefrau Sandra Balaban hat er das Viandener Museum of Caricature and Cartoon initiiert.

Der Wettbewerb für Karikaturen und Cartoon ist wie in den vergangenen acht Jahren an ein Thema gebunden. Thema in diesem Jahr war „My Home is my Castle“. Für den aktuellen Wettbewerb seien 1312 Zeichnungen von 504 Künstlern eingereicht worden, sagt Florin Balaban. Eine sechsköpfige Jury hatte die Aufgabe, die Arbeiten zu sichten und die drei Gewinner und insgesamt drei Ehrenpreise auszuwählen.

Man muss die Kritik, in welcher Form auch immer, akzeptieren Marc Schaefer

Zensur der Meinungsfreiheit

Die Anzahl der eingereichten Karikaturen aus Ländern mit starker politischer Zensur sei höher gewesen als aus demokratischen Ländern, sagte Florin Balaban während der Eröffnung der Ausstellung am vergangenen Wochenende. Und Marc Schaefer, Bürgermeister von Vianden sagte: „Man muss die Kritik, in welcher Form auch immer, akzeptieren.“ Schaefer verwies auf die wiederholt politisch oder religiös geäußerte Kritik und vor allem auf die Zensur der Meinungsfreiheit. Das Bombenattentat auf die Pariser Satire-Zeitschrift am 2. November 2011 und 7. Januar 2015 spreche für sich selbst. Oder etwa die sogenannten „Mohammed-Karikaturen. Diese wurden im Jahr 2006 in Dänemark veröffentlicht und hatten zu einer weltweiten Diskussion über die Religions-, Presse-, Kunst- und Meinungsfreiheit geführt.

Welche Bilder entstanden zum Thema „My Home is my Castle“?

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Karikaturen | Schloss Vianden
Mohammad Habibi belegte mit seiner Zeichnung den ersten Platz im internationalen Wettbewerb für Karikaturen und Cartoons

@ Mohammad Habibi

Künstlern aus 33 Ländern beteiligten sich am Wettbewerb, darunter Karikaturisten und Cartoonisten aus Russland, Syrien, die Türkei, Polen, Portugal, Nicaragua, Peru, viele Künstler aus dem Iran, China, Kroatien, Deutschland, Kanada, Kuba, Italien, Portugal, Rumänien oder der Ukraine. „Viele der Künstler griffen das Thema Heimatlosigkeit und Flucht auf“, berichtet Florin Balaban. Der iranische Künstler Mohammad Habibi erhielt den ersten Preis für seine Darstellung eines auf dem Rücken seines fliehenden Vaters von einem Haus träumenden Jungen. Der zweite Preis ging an Angel Boligan aus Mexiko, der das sehr symbolische Bild einer sich von seinem Haus entfernenden Person darstellt, die im Entfernen einen Teil des Verlassenen mit nimmt. Der dritte Preis für den Österreicher Klaus Pitter wirkt geradezu antagonistisch: Pitter beschreibt das Zurückkommen zu seinem von einem ganz und gar vom Grün einer Kletterpflanze eingenommenen Gebäude, so dass der Heimkehrer keinen Eintritt mehr zu finden scheint.

Agim Sulaj und die Idee von Europa

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Agim Sulaj | Karikaturen Schloss Vianden
Agim Sulaj wurde für seine Zeichnung und der damit verbundenen Kritik mit einem Ehrenpreis bedacht.

© Agim Sulaj

Unumstößlich sichtbar kritisiert Agim Sulaj das politische Ideenbild Europas. Dafür hat der Italiener einen Ehrenpreis erhalten. Seine Arbeit zeigt das Zentrum der Europäischen Flagge, aufgeklappt zur Schlafstätte für Flüchtlinge. Raul Zuleta aus Kolumbien – ebenso mit dem Ehrenpreis gewürdigt – zeigt in einer Deutlichkeit, dass hinter jeder Fassade das Lebendige, das Menschliche und damit das Zerbrechliche zuhause ist. Ein weiterer Ehrenpreis wurde an den polnischen Zeichner Zbigniew Kolaczek verliehen, der den Begriff des „Heimes“ tatsächlich in eine gut bewehrte Burg setzte.

Ein Vergleichen der ausgestellten Bilder lässt Gemeinsamkeiten erkennen: Menschen, die sich ein sicheres Dach über dem Kopf erträumen und ersehnen. Die Künstler beweisen, dass Phantasie geradezu keine Grenzen kennt. Im Rittersaal des Viandener Schlosses bündeln sich Ideen dieser Welt, sie werden kurzzeitig festgehalten, um von dort aus wieder in die Welt zu strahlen.

Kritik muss akzeptiert werden

ATENA.jpg
Die iranischen Künstlerin und Frauenrechtlerin Atena Farghadani wurde zu zwölf Jahren Haft verurteilt, weil sie ein Bild gemalt hat.
Florin Balaban benutzte die Eröffnung der Karikaturen-Ausstellung, um auf das Schicksal der 29-jährigen, iranischen Künstlerin und Frauenrechtlerin Atena Farghadani hinzuweisen: Im Jahr 2014 wurde diese – ausgelöst von einer Karikatur, welche iranische Parlamentsabgeordnete als Tiere zeigt, zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt.

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Atena-Farghadani
Die Macht der Bilder: Für diese Zeichnung wurde Atena-Farghadani im Iran zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt

© Atena Farghadani

Damit schließt sich auch ein Kreis der Freiheit, auf welche der Viandener Bürgermeister hingewiesen hat: Kritik – in welcher Form auch immer – muss akzeptiert werden.

Alle Abbildungen: © die Autoren – mit unserm Dank an Florin Balaban.

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  • Jengel 11. Mai 2016, 9:49

    Sehr guter Artikel!