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Der Künstler als Praktikant
Binsfeld

Salman Rezai ist aus Afghanistan nach Deutschland geflohen. In Trier konnte er endlich wieder künstlerisch aktiv werden und seine Liebe zum Zeichnen könnte nun dafür gesorgt haben, dass Rezai bald eine Ausbildung beginnen kann.

Ein Praktikum bei Binsfeld

Hedi Schon sagt, dass Salman Rezai vorsichtig sein müsse. Der junge Künstler ist gerade dabei, seine Zeichnung eines Eichhörnchens auf Glas zu übertragen. Rezai ist aus Afghanistan nach Deutschland geflüchtet. Der junge, schmale Mann zeichnet gerne. Während des Projekts Kunstasyl in der Tufa (Der Trierer berichtete unter der Überschrift: Kunst und Asyl ergeben Kunstasyl) hat Rezai wieder angefangen zu zeichnen.

Der junge Zeichner fühlt sich nach den Irren und Wirren der Flucht wohl in Trier. Aktuell hat er ein Praktikum im Trierer Unternehmen Binsfeld absolviert und zeichnen spielt hier eine wichtige Rolle. Hedi Schon ist bei den Trierer Glaswerkstätten der Firma Binsfeld für die Praktikanten zuständig und arbeitet mit Salman an seinem Fenster.

Malerei und Rechtecke

Hedi und Salman sitzen im ersten Stock eines langgezogenen Gebäudes: „Hier oben sind wir in der Malerei. Unten hat Salman ein kleines Muster – eine einfache Rechteckverglasung – geschnitten und verbleit, um einen Einblick in die Arbeit zu bekommen. Jetzt ist er hier oben, um das mit der Malerei auszuprobieren.“

Salman probiert die Kombination von Bleinetz und verschiedenen Farben aus. Er arbeitet an einem Blumenstrauß mit einer Bleiteilung. Er trägt verschiedene Farben auf, so wird das Bleinetz „zweitrangig“. Hedi Schon sagt, dass das Glasschneiden und das Bleiverglasung herstellen ein Lehrberuf sei, die Ausbildung dauere drei Jahre. Praktikanten würde dies in einer sehr reduzierten Form erleben.

Kunst und Handwerk und China

Technik und Kunst trifft sich im Kunsthandwerk der Glasmalerei. Dies lässt sich in den Räumen der Glaserei Binsfeld entdecken. Architekten und Künstler sind hier mit Gestaltern aktiv. Eine Lichtkuppel, ein Treppenhaus, ein Fenster, öffentliche wie private Gebäude, Kirchen, Industriebauten, Einkaufszentren, Gastronomie – Gegenwart und Moderne – aber auch Denkmalpflege und Restauration sind Stichworte, welche zum tagtäglichen Umgang mit jeder Form von Glas gehören.
Und das weltweit. „Letztes Jahr haben wir drei große – zwölf Meter hohe – Kirchenfenster für China realisiert.“ Es musste sehr bunt werden und es durfte kein Weiß drin sein, weil in China Weiß die Farbe des Todes sei, erklärt Heidi Schon.

Kunst auf zwischen Trier und China

Harmann-Josef Dornoff ist Leiter des Unternehmens Binsfeld und er zeigt Bilder. Darauf sieht man eine überdimensionale Kombination von Verwaltungsgebäude (im Stile der kommunistischen Sowjet-Architektur) kombiniert mit einer Kirche à la Petersdom in Rom und einem darunter befindlichen Shopping-Center (was eine ausladende Treppe zum Kirchenbau notwendig macht). Nicht nur Dornoff ist beeindruckt. Das Ganze wirkt wie in einem Blockbuster aus Hollywood. Doch es ist real und steht in China, in einer Kleinstadt namens Kunming.
Und die Fenster wurden vor dem Transport im Wahrzeichen der Firma Binsfeld, dem großen Atelierturm, aufgebaut.
Eine besondere Herausforderung seien die fünf Meter hohen Figuren auf den Fenstern gewesen, sagt Dornoff „Wann hat man schon mal die Chance so große Figuren zu malen“, meint Hedi Schon, die sehr viel in Sachen Malerei im Unternehmen übernimmt.

Was ist ein Glaser – was ein Glasmaler?

Der Glaser schneidet Glas zu, er verbleit sie, baut sie ein. Ein weit größerer Bereich des Unternehmens benötigt Glaser. Der Glasmaler wird immer weniger benötigt und findet zumeist keine Anstellung. Ein Glaser in einer Kunstglaserei produziert im Gegensatz zu einer Bauglaserei Kunstverglasung im weitesten Sinne. Ein Beruf, der viel mit Kreativität zu tun hat. Bei dem es hilfreich sei, ein Gefühl für Farben und Formen zu haben, erklärt Hedi Schon. „Wir realisieren Entwürfe von Künstlern.“

Könnte jeder Künstler hier eine Arbeit in Glasmalerei realisieren? „In der Regel kommt der Künstler mit seinem Entwurf und wir überlegen dann gemeinsam: Wie kann man das umsetzen. Manchmal muss man da neue Wege beschreiten“, sagt Hedi Schon. Natürlich gebe es auch Grenzen, doch die seien meistens eher finanzieller Art. „Manche Dinge sind realisierbar, sind aber so teuer, dass man nach Alternativen sucht. Das ist dann die Herausforderung für uns.“

Praktikum und Lehrstelle bei Binsfeld

„Unsere Hoffnung ist, dass wir Leute begeistern können für den Beruf. Ich persönlich bin der Meinung, wenn man mal angefixt ist, dann wird man süchtig danach, mit Glas zu arbeiten. Wir bilden Handwerker aus. Allerdings ist es eine richtig gute Grundlage für die künstlerische Tätigkeit, wenn man dieses Handwerk gelernt hat“, sagte Schon Es sei wichtig, mit verschiedenen Aspekten der Glasverarbeitung in Kontakt zu kommen, selbst wenn man nicht eigenhändig alles mache. „Man sieht viel, lernt viel kennen. Deshalb bin ich der festen Überzeugung, dass es eine gute Grundlage ist. Einige Leute haben nach der Ausbildung noch Kunst studiert.“
Hedi Schon hat zusätzlich eine Ausbildung zum Gestalter im Handwerk gemacht und hat an der Kunstakademie studiert. Deshalb hat sie auch ihre Arbeitszeit reduziert, um künstlerisch mit eigener Malerei und Glasobjekten ihren eigenen Weg zu gehen.

Die Arbeit im Praktikum hat bei Salman Rezai einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Der junge Künstler kann sich gut vorstellen, diese Arbeit zu seinem Beruf zu machen. Als nächstes will Rezai eine Ausbildung machen und während seines Praktikums hat auch Salman Eindruck hinterlassen. Vielleicht hat er so seinen Ausbildungsplatz gefunden.

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Mit Fotos der Firma Binsfeld

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