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Von der Glockengießerei zur Kulturgießerei

Die Saarburger Kulturgießerei hat ein vielfältiges Kulturprogramm und ein Museum. Das Wappen der ehemaligen Glockengießerei Mabilon ziert eine Kanone. Was Glocken und Kanonen gemeinsam haben, erklärt Gästeführer Wolfgang Matthes und er spricht über Wanderschaft, Handwerk, Geheimnisse, Liebe und Stahl und die Saar. Glockengießermeister Urbanus Mabilon hatte eine Vision. Das Museum kann dienstags von April bis November ohne Voranmeldung besucht werden.

Glocken und Geschützgießer

Glockengießer seien historisch gesehen immer auch Geschützgießer gewesen, sagt Wolfgang Matthes. „Stück- und Geschützgießer“ hieß der Beruf. Matthes ist Gästeführer im Museum Glockengießerei Mabilon in Saarburg und spricht über das Wappen der Glockengießerei. Das heutige Museum auf dem ehemaligen Gelände der Glockengießerei Mabilon ist Teil der Kulturgießerei Saarburg.

[aesop_quote type=“block“ background=“#282828″ text=“#ffffff“ align=“center“ size=“1″ quote=“Palmzweig und Lilie im Wappen“ parallax=“on“ direction=“left“]
Matthes erzählt über die lange Tradition der Gießerei. Wer das Wappen einer Glocke kenne, der könne herausfinden, wer die Glocke gegossen habe, sagt Matthes und erklärt das Wappen der Saarburger Gießerei Mabilon.
Neben den Initialen U. M. zeigt das Wappen in der Mitte eine Kanone. In der Nähe der Kanone stehen die Buchstaben U und M für Urbanus Mabilon. Im Wappen sind noch Palmzweig (Symbol von Friede und Gottvertrauen) und die Lilie von Bourbon (das Symbol des französischen Königshauses, womit auf die Herkunft hingewiesen wurde) enthalten. Wappen sind so eine Art Markenzeichen wie die drei Streifen von Adidas oder angebissene Apfel bei Apple.

Einzigartige Familientradition

[aesop_image img=“http://dertrierer.net/wp-content/uploads/2016/04/GlockengießereiMabilon.jpg“ credit=“© Kulturgießerei Saarburg“ alt=“Glockengießerei Mabilon“ align=“left“ lightbox=“on“ captionposition=“left“]

 Mabilon hatte um das Jahr 1770 genug von der Wanderschaft der Glockengießer und wurde in Saarburg sesshaft und baute die Mabilon Glockengießerei auf. Gleich unterhalb der Saarburg und in Front der Stadtmauern begründete Mabilon eine in der Region einzigartige Familientradition und er hatte eine Vision.
Früher konnten schwere Glocken nicht transportiert werden, weder auf Verkehrswegen noch mit Verkehrsmitteln. Wie Schneider und Schuster reisten Glockengießer durch das Land, dorthin, wo Aufträge waren. Schneider und Schuster hatten dabei weniger Probleme. Mit ihrem Bauchladen war die Reise im Gegensatz zum Glockengießer bequemer zu organisieren. Glockengießer wie Mabilon mussten sich monatelang vorbereiten: Öfen bauen, Grube bauen, Material besorgen. Wer so arbeitete, der benötigte auch Aufträge. Auftraggeber waren Kirchen, Klöster, Kathedralen oder Festungsanlagen (Kanonen). Die Glockengießer zogen mit ihrem Tross hin zum Auftraggeber, erledigten die Arbeit und zogen weiter.
So reisten im 18. Jahrhundert viele französische und lothringische Glockengießer durch Europa. Die Wurzeln der Familie Mabilon lassen sich nach Saint-Nicolas-de-Bourgueil im Herzogtum Anjou zurückverfolgen. Auf ihrer Wanderschaft durch Europa reiste die Familie Mabilon von der Loire über Paris, Metz und Luxembourg. Eigentlich wollten sie nach Koblenz zum Kurfürsten auf der Festung Ehrenbreitstein. Auf der Wanderung zwischen Luxembourg und Trier kamen sie über das Saartal. Urbanus siedelten sich nach einem Intermezzo in Koblenz in Saarburg an. Der erste Auftrag war für die Saarburger St. Laurentius Kirche.

[aesop_quote type=“block“ background=“#282828″ text=“#ffffff“ align=“center“ size=“1″ quote=“Die letzte Glocke hängt in Lima“ parallax=“on“ direction=“left“]

 

 

Die Vision einer Glockengießerei

Urbanus begann, seine Vision zu verwirklichen. Er dachte sich, dass seine Glocken per Schiff abtransportiert werden könnten. Und weil die Saar in die Mosel fließt, die Mosel in den Rhein und der Rhein ins Meer könne er seine Glocken in der gesamten Welt anbieten. So ist es gekommen. Die letzte Glocke, die gegossen wurde, hängt in Lima in Peru.
Die Lage an der Saar hatte auch Vorteile beim Bezug der Rohstoffe. Die Kohle kam aus dem Saarland, Metalle aus dem Rheinland und als Bonus waren die Lehmvorkommen rund um Saarburgs Stadtmauern gut geeignet für die Glockengießerei. Der Lehm habe sehr viele Tonanteile, erklärt Gästeführer Matthes. „Der war geschmeidig und das Wasser ging nicht durch.“

Glockengießen als Familiengeheimnis

Glocken wurden nach den Geheimnissen der Familie Mabilon bis 2002 in Saarburg hergestellt. Wolfgang Hausen-Mabilon war der letzte Glockengießer und ihm ist es zu verdanken, dass die Tradition des Glockengusses in einem denkmalgeschützten Gebäudekomplex in der Altstadt von Saarburg erhalten wurde. Die Glockengießerei spiegelt heute Stadtgeschichte aus drei Jahrhunderten wieder.
Die ehemalige Gießerei dient heute als Museum sowie als kulturelles Zentrum und ist seit 2008 im Besitz der Stadt Saarburg. Nach Angaben des Trägervereins besuchen knapp 10000 Gäste die Glockengießerei, zum Vergleich: in Saarburg leben rund 6800 Einwohner. Nicht nur deshalb sei das Ensemble mit seiner Kombination aus Museum und Kulturstätte von unschätzbarem Wert.

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Info
Führungen ohne Voranmeldung: April bis November, dienstags, ab 14 Uhr
Führungen mit Voranmeldungen: ganzjährig, maximal 25 Personen pro Gruppe.
Unter anderem gibt es die History-Tour, eine Themenführung im historischen Gewand oder die Führung Wein und Glocke.

Die Führungen werden in Deutsch, Englisch, Französisch und Niederländisch angeboten.

Preise:
Erwachsene 3,50 Euro
Schüler, Studenten und Menschen mit Handicap 2 Europa
Kinder bis zehn Jahre haben freien Eintritt

Die Führungen beginnen ab 35 Euro.

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Weitere Infos auf der Webseite der Kulturgießerei Saarburg

Startseite: Der Trierer

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