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Wachstum war schwächer
Wirtschaft Rheinland-Pfalz

Das Baugewerbe und die Industriezweige schwächeln, dafür präsentierte sich im Wirtschaftsjahr 2015 der Dienstleistungssektor als Wirtschaftsmotor in Rheinland-Pfalz. Die Wirtschaft ist im vergangenen Jahr um 1,4 Prozent gestiegen, bundesweit ist das Wachstum höher ausgefallen, es lag bei 1,7 Prozent. Die IHKs fordern deshalb eine tragfähige Infrastruktur.

Wachstum unter Bundesdurchschnitt

Die rheinland-pfälzische Wirtschaft ist 2015 weiter gewachsen. Das Statistische Landesamt sprach von mehr Dynamik, die die Wirtschaft 2015 gewonnen habe. „Preisbereinigt ist das Bruttoinlandsprodukt 2015 um 1,4 Prozent gestiegen“, sagte der Präsident des Statistischen Landesamtes, Jörg Berres, am Mittwoch in Mainz. Im Vergleich zu Deutschland und den alten Bundesländern (ohne Berlin) sei das Wachstum allerdings etwas niedriger ausgefallen. In den alten Ländern gab es jeweils ein plus von 1,7 Prozent.

IHKs fordern weniger Bürokratie

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Wachstum
Die Wirtschaft in Rheinland-Pfalz ist im vergangenen Jahr gewachsen, allerdings unter dem Durchschnitt.

©Foto: Andreas Hermsdorf_pixelio.de

Arne Rössel ist Sprecher der IHK-Arbeitsgemeinschaft Rheinland-Pfalz. Rössel sieht in dem Wachstum ein Warnsignal. Mit einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent  falle Rheinland-Pfalz – wie schon in den Vorjahren – deutlich hinter dem Bundesdurchschnitt zurück. Besonders gravierend sei das geringe Wachstum der für das Land so wichtigen Industrie, die nur halb so schnell wie die Industrie Gesamtdeutschlands wächst, sagte Rössel am Mittwoch, nachdem die Zahlen in Mainz vorgestellt worden waren. Die Arbeitsgemeinschaft der rheinland-pfälzischen IHKs sieht in Ergebnissen ein klares Warnsignal an die Landespolitik. Rössel sagte, wenn die künftige Landesregierung nicht gezielte Maßnahmen ergreife, um die Rahmenbedingungen für Unternehmen in Rheinland-Pfalz zu verbessern, drohe unser Land wirtschaftlich noch weiter zurückzufallen. Die Arbeitsgemeinschaft der IHKs fordert Investitionen in eine tragfähige Infrastruktur, die Vermeidung neuer Steuern und Abgaben und der Abbau von Bürokratie.

In jeweiligen Preisen erreichte das Bruttoinlandsprodukt 2015 einen Wert von 132 Milliarden Euro (plus 3,4 Prozent gegenüber 2014). Der Anteil von Rheinland-Pfalz am deutschen Bruttoinlandsprodukt beläuft sich damit auf 4,4 Prozent.

Nur geringe Wachstumsimpulse aus der Industrie

Ein Grund für das schwächere Wachstumstempo in Rheinland-Pfalz sei, dass von der Industrie 2015 erneut nur moderate Wachstumsimpulse gekommen wären und der Zuwachs geringer wäre als im Bundesdurchschnitt, sagte Berres. Die Wertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes, das zur gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung etwa ein Viertel beisteuert, wuchs preisbereinigt nur um 0,8 Prozent (Deutschland: plus 1,7 Prozent). Die Industrie leistete damit einen Beitrag von 0,2 Prozentpunkten zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts.

Verantwortlich für die unterdurchschnittliche Entwicklung war insbesondere die Chemische Industrie, die mit einem Umsatzanteil von 31 Prozent die größte Industriebranche ist. Gegenüber 2014 schrumpfte ihr Umsatz um 4,9 Prozent. Auch die Hersteller von Metallerzeugnissen verbuchten einen Umsatzrückgang (minus 4,4 Prozent). Kräftig zulegen konnten dagegen die Pharmaindustrie (plus 16 Prozent), die Kraftwagen- und Kraftwagenteileindustrie (plus 11 Prozent) und der Maschinenbau (plus 8,2 Prozent).

Wertschöpfung im Baugewerbe schrumpft

Schwach entwickelte sich das Baugewerbe (Wertschöpfungsanteil: 4,9 Prozent). Die Bruttowertschöpfung nahm in diesem Bereich um zwei Prozent ab; im Bundesdurchschnitt stieg die Wertschöpfung dagegen leicht um 0,3 Prozent. Der Wachstumsbeitrag des Baugewerbes lag damit bei minus 0,1 Prozentpunkten.

Die Umsätze im Ausbaugewerbe stiegen um 3,5 Prozent. Der Umsatz im Bauhauptgewerbe fiel dagegen um drei Prozent, erreichte aber dennoch den zweithöchsten Stand seit der Einführung des Euro. Impulse kamen hauptsächlich von den gewerblichen Auftraggebern. Im öffentlichen Hochbau und im Straßenbau, der seine Aufträge ebenfalls weitgehend von der öffentlichen Hand erhält, gingen die Erlöse jedoch kräftig zurück (minus 9,3 bzw. minus 8,6 Prozent).

Zuwachs dank Dienstleistungen

Dienstleistungen, die zusammengenommen 66 Prozent der gesamten Wertschöpfung erwirtschaften, verbesserten sich um 1,7 Prozent (Deutschland: plus 1,5 Prozent). Damit hätten Dienstleister 1,1 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum beitragen, sagte Berres. In den Bereichen Handel, Verkehr, Gastgewerbe, Information und Kommunikation lege die Wertschöpfung mit plus 2,9 Prozent deutlich kräftiger zu als im Bundesdurchschnitt (plus 1,9 Prozent). Dazu hätte insbesondere die gute Umsatzentwicklung im Kraftfahrzeughandel und im Bereich „Information und Kommunikation“ beigetragen.

Im Bereich „Finanz-, Versicherungs- und Unternehmensdienstleister, Grundstücks- und Wohnungswesen“ verlief die Entwicklung dagegen leicht unterdurchschnittlich (plus 1,4 Prozent; Deutschland: plus 1,6 Prozent), ebenso im Bereich „Öffentliche und sonstige Dienstleister, Erziehung, Gesundheit“ (plus 1 Prozent; Deutschland: plus 1,1 Prozent). Dieser Bereich wird von dem Unterbereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit“ dominiert, dessen Wertschöpfung um ein Prozent zunahm. Geringfügig schwächer verlief die Entwicklung im kleineren Teilbereich „Sonstige Dienstleister“ mit einem Plus von 0,8 Prozent.

Erwerbstätigkeit und Arbeitsvolumen steigen in gleichem Maß

Die Zahl der Erwerbstätigen hat 2015 einen neuen Höchststand erreicht. Im Jahresdurchschnitt hatten 1,98 Millionen Personen ihren Arbeitsort in Rheinland-Pfalz. Das waren 14 200 Personen oder 0,7 Prozent mehr als 2014 (Deutschland: plus 0,8 Prozent). Der Anstieg konzentrierte sich auf die Dienstleistungsbereiche (plus 1,1 Prozent). Im Produzierenden Gewerbe ohne Baugewerbe nahm die Erwerbstätigkeit nur um 0,2 Prozent zu; im Baugewerbe und in der Land- und Forstwirtschaft verringerte sich die Zahl der Erwerbstätigen sogar um 1,1 bzw. 2,2 Prozent. Ferner ging im letzten Jahr die Zahl der Selbstständigen weiter zurück, und zwar um 2,6 Prozent oder 5 400 auf insgesamt gut 200 000 Personen. Insbesondere in der Landwirtschaft und im Baugewerbe verringerte sich die Zahl der Selbstständigen, im Bereich „Öffentliche Dienstleister, Erziehung, Gesundheit“ nahm sie hingegen zu.

Auch das Arbeitsvolumen hat 2015 erneut zugenommen. Es stieg ebenfalls um 0,7 Prozent (Deutschland: plus 1,1 Prozent) auf knapp 2,7 Milliarden Arbeitsstunden. Je Erwerbstätigen wurden damit wie im Vorjahr durchschnittlich 1 341 Stunden geleistet, in Deutschland waren es 1 371 Stunden. Im Ländervergleich ist jedoch zu beachten, dass Rheinland-Pfalz den höchsten Anteil an marginal Beschäftigten aufweist. Auch die Teilzeitquote der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten liegt über dem Bundesdurchschnitt (30. Juni 2015: Rheinland-Pfalz: 27,7 Prozent; Deutschland: 26,6 Prozent). In den Dienstleistungsbereichen und im Produzierenden Gewerbe ohne Baugewerbe nahm das Arbeitsvolumen etwas stärker zu als die Zahl der Erwerbstätigen (plus 1,2 bzw. plus 0,6 Prozent). Der Rückgang der geleisteten Arbeitsstunden im Baugewerbe war mit minus 2,3 Prozent deutlich ausgeprägter als die Abnahme der Erwerbstätigenzahl.

Arbeitsproduktivität steigt

Da das reale Bruttoinlandsprodukt stärker zunahm als das Arbeitsvolumen, ist die Arbeitsproduktivität, gemessen als preisbereinigtes Bruttoinlandsprodukt je Arbeitsstunde, im Berichtsjahr ebenfalls gestiegen, und zwar um 0,7 Prozent (Deutschland: plus 0,6 Prozent).

Das Bruttoinlandsprodukt in jeweiligen Preisen je Erwerbstätigenstunde betrug 2015 in Rheinland-Pfalz 49,61 Euro (plus 1,28 Euro im Vergleich zu 2014). In Deutschland war die Wirtschaftsleistung je Arbeitsstunde um 1,68 Euro, in den alten Bundesländern ohne Berlin um 3,98 Euro höher.

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Downloads:

jw2015

Präsentation des Wirtschaftsberichts

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