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Leibe besucht Zuhause für benachteiligte Frauen und Kinder

Annastift wurde für sechs Millionen Euro renoviert.
Das Annastift wurde innerhalb von drei Jahren für sechs Millionen Euro renoviert. Foto: SkF

Benachteiligte Frauen und Kinder können im Annastift ein neues Zuhause finden. Die Mutter-Kind-Einrichtung wird vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) betrieben. Die Plattenbauten aus den 1970-Jahren wurden nun für rund sechs Millionen Euro saniert. Oberbürgermeister Wolfram Leibe hat sich vor Ort ein Bild von den abgeschlossenen Bauarbeiten gemacht.

Ein geräumiges helles Zimmer mit eigenem Bad, ein Gemeinschaftsraum und eine Küche – das mitten in Triers bester Wohnlage, teils mit Blick auf die Mariensäule: Was sich liest wie der Traum vieler Immobilienmakler ist Zufluchtsort und Zuhause für benachteiligte Schwangere und Mütter mit ihren Kindern: Die Mutter-Kind-Einrichtung Annastift, getragen vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). In den letzten drei Jahren wurden die in die Jahre gekommenen Gebäude des Annastift und des benachbarten „Haus Maria Goretti“ für wohnungslose und psychisch kranke Frauen saniert, auch mit Hilfe der Stadt Trier. Oberbürgermeister Wolfram Leibe hat im Rahmen des Schwerpunktjahres „Familie und Kinder“ die fertiggestellten Einrichtungen besucht und sich über die Arbeit des SkF für Frauen und Kinder informiert. Früher standen in den eher dunklen Fluren des Annastift die Kinderwagen in einer Reihe, in der Mitte der Wohnanlage ließ ein offenes Karree mit Blick in die oberen Etagen wenig Raum für die Privatsphäre der Mütter und Kinder, und von außen sahen die in den 1970er Jahren errichteten Plattenbauten sowieso wenig einladend aus. Regina Bergmann, Geschäftsführerin des SkF Trier, beschreibt bei einem Rundgang mit dem Oberbürgermeister noch einmal die Probleme, die eine Sanierung der Gebäude nötig machten: Die Schwangeren oder Mütter kamen in recht beengten Zimmern mit Gemeinschaftsbädern unter und diese fehlenden Rückzugsmöglichkeiten führten auch zu Spannungen untereinander. Jetzt stünden Einzelappartements und helle Wohngruppen für maximal drei Frauen und ihre Kinder mit geräumigen Küchen, einem Gruppenraum und jeweils eigenen Bädern zur Verfügung. Das bringe viel mehr Ruhe in das Zusammenleben und auch in die Arbeit in der Einrichtung.

Drei Jahre Bauzeit für das Annastift

Ganze Wäschekörbe füllten die Anträge und Pläne zur Sanierung, doch die Arbeit als „Bauprojektleiterin“ habe sich gelohnt, sagt Bergmann: „Wir werden mit ungefähr sechs Millionen Euro Investitionskosten und knapp drei Jahren Bauzeit eine Punktlandung machen.“ Weitgehend finanzierte der SkF die Maßnahmen aus eigenen Mitteln, dazu kamen noch eine Million Euro Spenden und Zuschüssen. „Die Stadt hat uns von Anfang an sehr gut unterstützt. Wir hatten kaum Hürden, etwa bei Bauanträgen.“ Insgesamt sieben Gebäude wurden seit 2016 fast komplett entkernt, Flachdächer erneuert und das Gebäude der ehemaligen Kindertageseinrichtung aufgestockt – dort befinden sich jetzt die Wohneinheiten. 29 Plätze für Mütter mit ihren Kindern stehen jetzt zur Verfügung. Im Haus Maria Goretti sind es 32 Plätze für wohnungslose oder psychisch kranke Frauen. „Der Betrieb lief während der Sanierung weiter und die Einrichtungen mussten rotieren. Das war nicht nur für unsere Bewohnerinnen, sondern auch für unsere Mitarbeiterinnen eine anstrengende Zeit, denn sie arbeiteten quasi auf einer Baustelle. Eine ganz tolle Leistung, dass sie über das normale Pensum hinaus mitgeholfen haben“, lobt Bergmann ihr Personal. Insgesamt beschäftigt der SkF 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, 35 arbeiten im Mutter-Kind-Haus Annastift.

Einrichtung mitten in der Stadt

Oberbürgermeister Leibe betonte, wie wichtig das komplexe Hilfsnetzwerk des SkF für Frauen mitten in Trier sei: „Ich bin sehr froh, dass ganz bewusst entschieden wurde, die Einrichtungen nicht etwa an die Peripherie zu verlegen, sondern mitten in Trier zu belassen, mit einer guten Infrastruktur. Das trägt dem inklusiven Gedanken Rechnung.“ Er habe die Zusammenarbeit mit dem SkF immer als sehr vertrauensvoll erlebt. „Die Stadt hat eine soziale Verantwortung. Man muss bedenken, dass wir für die Region eine wichtige Aufgabe erfüllen, denn viele benachteiligte oder suchtkranke Frauen ziehen aus den Landkreisen zuerst einmal nach Trier. Wenn sie hier sind und ‚scheitern‘, ist es wichtig, dass es solche Anlaufstellen wie diese gibt und wir das bestmöglich fördern.“ In diesem Zusammenhang verwies Leibe auch darauf, wie wichtig das Haus Maria Goretti und die entsprechenden Angebote wie die Notschlafstelle und das Café Haltepunkt auf dem SkF-Gelände sind. „Was viele nicht wissen: Wohnungslose Frauen prostituieren sich häufig für ein Dach über dem Kopf. Sie erleben oft eine lange Leidensgeschichte und wenden sich hierher, wenn der Druck zu groß wird“, so Leibe. Auch spielten immer mehr psychische Erkrankungen für Wohnungslosigkeit eine Rolle. „Wenn wir als Gesellschaft sagen, wir möchten mehr Inklusion und möchten auch die Schwächeren mittragen, muss man auch entsprechende Steuermittel dafür aufwenden. Diese Akzeptanz ist oft nicht da, es gibt da so eine „Selbst-Schuld Mentalität“.“

Geänderte Notlagen der Frauen und Kinder

Heute seien die Problemlagen der Frauen sowieso ganz andere als noch vor Jahrzehnten, berichtet Bergmann. Damals seien im Mutter-Kind-Haus Annastift auch alleinerziehende Frauen untergekommen, da es an der gesellschaftlichen Akzeptanz fehlte, erzählt Bergmann, doch heute sähen die Notlagen der Frauen und Kinder anders aus: „Viele sind psychisch erkrankt, haben zu Hause Gewalt oder Armut erlebt, oder haben Suchtprobleme. Ein wichtiges Ziel ist für uns, den Druck herauszunehmen, der oft gerade in der Zeit nach der Geburt für diese Frauen herrscht. Sie können mit ihren Kindern theoretisch bis zu deren sechstem Lebensjahr bleiben.“ Anspruch sei aber immer, den Frauen zu einem selbstständigen Leben zu verhelfen. Deshalb gehöre zum Modell auch, begleitet Besuchskontakte zu den Vätern der Kinder oder anderen Männern in einem geschützten Raum zu ermöglichen. Für Leibe ein Zeichen, dass die katholische Einrichtung mit dem gesellschaftlichen Wandel mitgeht. Um die Betreuungsarbeit gut leisten zu können, sei eben auch eine gute Umgebung wichtig, sagt Bergmann. „Durch die Sanierung haben wir jetztwirklich ein Zuhause für unsere Bewohnerinnen geschaffen.“ Mit den kleinen Innenhöfen auf dem Gelände, wo jetzt Gartenmöbel zum Verweilen einladen, dem neu angelegten Kinderspielplatz und dem noch anzulegenden Garten soll das Konzept eines „Dorfs mitten in der Stadt“ aufblühen. Am 6. Juli, dem Gedenktag der Heiligen Maria Goretti, wird Bischof Dr. Stephan Ackermann die neuen Gebäude bei einem Festakt einweihen.

Weitere Informationen zur Arbeit des SkF gibt es unter www.skf-trier.de.

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